Adeus, querido amigo: In Gedenken an Ralf Henze

Am 4. August ist Ralf Henze, Mitbegründer der Grünen Linken, mit nur 67 Jahren viel zu früh gestorben. Kennengelernt haben wir ihn im persönlichen Austausch, in politischen Debatten und als hilfsbereiten Web-Designer mit Herz für kleine Initiativen. Wir haben Ralf viel zu verdanken und wollen sein Wirken fortsetzen.

Ralfs Leben war außergewöhnlich. Er hat jung die Welt erkundet, ist zur See gefahren und war rund um den Globus unterwegs – world wide und später auch im Web, wo er während der Rot-Grünen Koalition über einen eigenen Server Raum für basisdemokratische Vernetzung und gemeinsames politisches Engagement geschaffen hat.

BasisGrün hieß das Netzwerk, aus dem sich später die Grüne Linke entwickelte. „Grüne sind nicht schon dadurch an der Macht, dass sie Regierungsämter innehaben, sondern nur dann, wenn sie gesellschaftlich begründete, essentielle grüne Forderungen auf den Weg der Realisierung bringen und die herrschende Politik der Ausbeutung von Menschen und Natur an einigen Hauptpunkten vom Weg abbringen“, hieß es Anfang März 1999 in der BasisGrünen Erklärung.

Den Bielefelder Sonderparteitag hatte das Netzwerk in Opposition zum völkerrechtswidrigen Krieg der NATO gegen das damalige Jugoslawien unter grüner Regierungsbeteiligung maßgeblich mit hervorgebracht. Im Anschluss staunte der Journalist Harmut Palmer Ende Mai 1999 im Spiegel: „Erstmals organisiert sich damit in Deutschland eine politische Bewegung nahezu ausschließlich über das Internet“ und zitierte Ralf mit den Worten: „Treten ist besser als Austreten.“ Im Bewusstsein der Bedeutung basisdemokratischen Engagements innerhalb der Partei legte Ralf großen Wert auf das kooperative Wirken linker Grüner auf Landes- und Bundesdelegiertenkonferenzen und beteiligte sich in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und Zusammenschlüssen an der Positionsbildung.

Der Anspruch war, die Parteimehrheit mit besseren Argumenten zu überzeugen und mit einem durchgehenden grünen Faden den Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Basis, Partei, Fraktion und Regierungsmitgliedern herzustellen – mit dem Schwerpunkt bei der zivilgesellschaftlichen Bewegung. Angebote, sich über einen Posten in der Partei zahm machen zu lassen, hatten für ihn keinen Reiz.

Mit Hans-Christian Ströbele als großem Vorbild ist Ralf unbeirrter Verfechter der Grünen Grundwerte geblieben. Damit hat er an der Basis zur Aufrichtung vieler beigetragen und (nicht nur) manchen Realo gegen sich aufgebracht.

Ab 2006 fand Ralf in Brasilien eine neue Heimat, hat mit Motorrad und Kamera das weite Land durchstreift. Beeindruckt hat er über die basisdemokratische und empathische, rundum wohlwollend mit den Mitmenschen anteilnehmende Kultur indigener Gemeinschaften berichtet. Trotz der großen Entfernung hielt sein Interesse an der politischen Situation in Deutschland und speziell an der Politik der Grünen an.

Bei allen Konflikten, die es gab, blieb das Netzwerk Grüne Linke für Ralf ebenso wie für uns wichtiger Bezugspunkt. Wir und viele andere konnten durch die von Ralf gelegten Grundlagen den Raum für kritische Beiträge, offenen Austausch und die Vorbereitung für das Eingreifen auf Bundesdelegiertenkonferenzen nutzen, erst recht, als sich im Zuge des

Ukraine-Krieges auch in unserer Partei Debatten verengten. Ralf war immer wichtig, dass Mitglieder miteinander reden, diskutieren, sich in eine Sache vertiefen und daraus in Bewegung kommen. Und dass es dabei respektvoll zugeht. Bis zuletzt hat er die Homepage gepflegt, war verlässlicher und geduldiger Betreuer der Mailinglisten und Anstifter für immer neue Diskussionen.

Zu früh haben sich unsere Wege getrennt.

Wir sagen danke für alles und rufen auf, Ralfs Erbe lebendig zu halten – für die Verwirklichung der uneingelösten Utopie einer menschlicheren globalen Gemeinschaft.

Adeus, querido amigo!

(Der Koordinationskreis der Grünen Linken und politische Wegbegleiter:innen)

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